Lukas Hofer: Vom Hobby zum Beruf
Lukas Hofer: Vom Hobby zum Beruf
Lukas Hofer ist in Deutsch-Wagram alles andere als ein unbekannter Name. Seinen Weg zum Basketball fand er im Alter von 13 Jahren – ursprünglich eher zufällig. Da er für den nächsten Karategurt noch zu jung war, suchte er eine neue sportliche Herausforderung. Diese Entscheidung sollte seinen weiteren Werdegang maßgeblich prägen und spiegelt bis heute seinen Ehrgeiz und seine Zielstrebigkeit wider. Schon als Spieler galt Hofer als großes Talent aus Deutsch-Wagram und feierte in der MU18 mit den Vienna D.C. Timberwolves den österreichischen Staatsmeistertitel. Noch im selben Jahr eröffnete sich für ihn ein neuer Weg: Auf Anfrage von Christoph „Weidi“ Scheidl übernahm er erstmals die Rolle des Alligators Assistant Coaches für das Team seines Bruders – und entdeckte dabei seine Leidenschaft für das Trainerdasein. Es folgten zahlreiche Erfolge im Nachwuchsbereich der Alligators, Engagements als Spielertrainer und Assistant Coach in der 2. Bundesliga sowie Einsätze als Coach mehrerer österreichischer Nachwuchs-Nationalteams bei B-Europameisterschaften. Nach zwei Jahren übernahm Lukas Hofer schließlich die Verantwortung als Head Coach der UDW Alligators. Drei Jahre später führte er das Team bis ins Finale der 2. Bundesliga und zum Vizemeistertitel.
Es war sein letztes Spiel in Deutsch-Wagram – doch wie ging sein Weg danach weiter?
Hallo Lukas, vielen Dank, dass du dir heute Zeit nimmst. Vor wenigen Wochen wurdest du vom Assistant Coach des BBC Bayreuth zum Head Coach befördert. Wie geht es dir aktuell damit und wie groß sind die Veränderungen?
Mir geht es sehr gut. Das Stresslevel ist definitiv gestiegen – viele Dinge, die man zuvor gar nicht mitbekommen hat, liegen nun plötzlich in der eigenen Verantwortung. Gleichzeitig ist es aber genau das, was ich immer wollte. Jeder, der mich kennt, weiß, dass es immer mein Ziel war, Head Coach zu werden. Die Art und Weise, wie es letztlich dazu gekommen ist, war jedoch definitiv nicht mein Wunsch und hat mich auch in einen gewissen moralischen Zwiespalt gebracht, aber mir war schnell klar: Jetzt gilt es, Leistung zu bringen und Verantwortung zu übernehmen.
Wenn wir noch einmal ganz an den Anfang zurückgehen: Welche Stationen hast du als Spieler durchlaufen und was waren deine größten Erfolge?
Ich habe meine Laufbahn in der MU14 bei den UDW Alligators begonnen, bevor ich in der MU18 zu den Vienna D.C. Timberwolves wechselte. Dort konnte ich auch den österreichischen Meistertitel gewinnen – vermutlich mein größter Erfolg als Spieler. Anschließend kehrte ich zu den Alligators zurück und spielte in der Herren-Landesliga. Ein Jahr vor der Gründung des 2.-Bundesliga-Teams in Deutsch-Wagram lief ich für die Mistelbach Mustangs in der zweiten Liga auf, ehe ich schließlich wieder für die Alligators spielte.
Nach zwei Jahren übernahm ich dort den Posten als Head Coach und war parallel als Spieler in der 1. Liga bei den Timberwolves aktiv. Mit der Zeit verlagerte sich mein Fokus immer stärker auf das Coaching, sodass ich selbst nur noch in der Landesliga gespielt habe. Aktuell stehe ich in Bayreuth noch in der Regionalliga am Feld – und wir sind bislang ungeschlagen.
Du hast im Jahr 2010 mit dem Coaching begonnen. Gab es Trainer, die dich auf deinem Weg besonders geprägt oder als Vorbilder gedient haben?
Nicht wirklich klassische Vorbilder. Zu Beginn waren es sicherlich Weidi, Robert Hebling und Hannes Quirgst, von denen ich viel lernen konnte. Mit zunehmender Erfahrung wurden dann Stefan Grassegger – der Head Coach der ersten Bundesliga-Saison in Deutsch-Wagram – sowie Raoul Korner, der bis 2022 österreichischer Nationalteamtrainer war, zu wichtigen Mentoren für mich. Sie haben mir immer wieder geholfen und wertvolle Impulse gegeben. Auch Flo, mein Head Coach in Bayreuth, hatte einen großen Einfluss auf mich und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass ich den Schritt zum Profi-Trainer machen konnte.
Später hast du einige der erfolgreichsten Nachwuchs-Jahrgänge der UDW Alligators betreut. Welche Erfolge konntet ihr in dieser Zeit feiern?
Ich habe im Grunde drei Jahrgänge von der MU14 bis zur MU19 begleitet und aufgebaut. Einer der größten Erfolge war sicherlich der dritte Platz bei der österreichischen MU16-Meisterschaft. Darüber hinaus erreichten wir bei einem internationalen Turnier in Lund (Schweden) den zweiten Platz. Auf nationaler Ebene konnten wir in nahezu jeder Altersklasse den niederösterreichischen Meistertitel gewinnen.
Ein weiterer besonderer Erfolg war eine einjährige Kooperation zwischen der MU19 der Klosterneuburg Dukes und der MU19 der Alligators, bei der ich als Assistant Coach tätig war und wir gemeinsam den Staatsmeistertitel holten. Am stolzesten bin ich aber auf jeden Fall darauf, dass diese Gruppe bis heute unzertrennlich ist und ich viele von den Burschen meine Freunde nennen kann!
Während dieser Zeit warst du auch als Trainer für mehrere Nachwuchs-Nationalteams im Einsatz. Wie kam es dazu und was hast du aus dieser Erfahrung mitgenommen?
Im Zuge meiner A-Lizenz wurde ich vom damaligen Generalsekretär sowie von Bernd Wimmer, dem Head Coach der MU16, gefragt, ob ich als Assistant Coach beim MU16-Nationalteam unterstützen möchte. Durch meine Tätigkeit für den NBBV und später auch für den ÖBBV wurde ich zunächst zum Head Coach der MU18 und anschließend der MU16 ernannt. Am wichtigsten war mir immer, den Spielern zu vermitteln, was es bedeutet, das eigene Land zu vertreten. Dazu gehörten auch kleine, aber symbolische Dinge – etwa, dass jeder Spieler die Nationalhymne auswendig lernen musste. Zusätzlich konnte ich wertvolle internationale Kontakte zu Trainern und Spielern aus ganz Europa knüpfen. Einer davon ist Troy Culley, heute Assistant Coach in Tübingen und damals britischer Nachwuchs-Nationalteamtrainer, der mittlerweile auch ein guter Freund von mir ist.
Würdest du sagen, dass du einer der Mitverantwortlichen dafür bist, dass die UDW Alligators seit mehreren Jahren erfolgreich in der 2. Liga spielen?
Ich denke schon, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe. Deutsch-Wagram galt lange Zeit als klassischer Hobbyverein. Ich selbst bin jedoch sehr ehrgeizig und wollte von Beginn an keine halben Sachen machen – das habe ich auch offen gegenüber dem Vorstand kommuniziert. Gemeinsam mit anderen Alligators-Trainern haben wir festgelegt, dass unser Anspruch sein muss, mit den Top-Teams der Liga mithalten zu können. Als die starken Nachwuchs-Jahrgänge langsam an den Herren Basketball herangeführt wurden, war das der ideale Zeitpunkt, ein Bundesliga-Team aufzubauen, das aus eigenen Spielern und Talenten aus der Region besteht. Heute kann ich mit großem Stolz sagen, dass die UDW Alligators ein Name sind, der für Qualität steht.
Dein bislang größter Erfolg als UDW-Trainer war wohl der Finaleinzug in der Saison 2023/24. Wie hat es sich angefühlt, deinen Heimatverein innerhalb weniger Jahre zu diesem Erfolg zu führen?
Ein entscheidender Wendepunkt war die gemeinsame Entscheidung mit Manager Manfred Kvasnicka, ein Team mit mehreren erfahrenen Spielern zu formen, um realistische Chancen auf die Playoffs zu haben. Einer der wichtigsten Schritte war dabei die Verpflichtung von Marko Kolaric, der dem Team als Kapitän sowohl sportlich als auch charakterlich enormen Halt gegeben hat. In der Saison davor erreichten wir die Playoffs nur knapp und scheiterten in der ersten Runde an den Innsbruck Raiders. Ein Jahr später spielten wir dann eine nahezu perfekte Saison und mussten uns erst im dritten Finalspiel den Mistelbach Mustangs geschlagen geben. Besonders das Do-or-Die-Heimspiel im BORG Deutsch-Wagram ist mir bis heute in Erinnerung geblieben – ich hätte nie gedacht, dass so viele Menschen in diese Halle passen. Dieser Abend wird mir für immer in Erinnerung bleiben.
2024 hast du schließlich die Chance bekommen, dein Hobby zum Beruf zu machen und als Assistant Coach in der ProA beim BBC Bayreuth zu arbeiten. Wie lange hast du gebraucht, um diese Entscheidung zu treffen?
Im Mai war ich mit Mark Laurencik auf Urlaub, als mich Florian Wedell – damals Head Coach des BBC Bayreuth – anrief. Wir kannten uns von FIBA Europe Coaching Certificate (internationale Trainerausbildung), und er fragte mich, ob grundsätzlich Interesse an einer Assistant-Coach-Position bestünde. Natürlich hatte ich Interesse und durchlief anschließend ein reguläres Bewerbungsverfahren, an dessen Ende ich schließlich ausgewählt wurde. Nach der Zusage habe ich eine Nacht darüber geschlafen und bin am nächsten Morgen mit dem klaren Gefühl aufgewacht, dass ich diesen Schritt gehen möchte. Nach Gesprächen mit meinen Eltern, meinem Bruder und Mark habe ich wenige Tage später den Vertrag digital unterschrieben. Im Juli war ich dann zum ersten Mal in Bayreuth.
Seit wenigen Wochen bist du Head Coach des BBC Bayreuth. Wo steht das Team aktuell?
Aktuell befinden wir uns in einer Phase, in der noch sehr viel möglich ist. Die Liga ist extrem eng, und wenn wir die Leistungen der letzten Spiele bestätigen können, ist der Einzug in die Playoffs definitiv noch möglich.
Was machst du in deiner Freizeit, wenn Basketball einmal keine Rolle spielt?
Ehrlich gesagt fühlt sich das Coachen in der Halle für mich nicht wie Arbeit an. Die eigentliche Arbeit beginnt oft erst zu Hause, wenn ich gemeinsam mit meinem Assistant Coach Nils Scheller Videoanalysen mache und Spiele vorbereite. Abseits davon spiele ich sehr gerne Fortnite mit den Burschen– das ist für mich ein guter Ausgleich und eine tolle Möglichkeit Kontakt mit Freunden zu halten.
Wie eng ist dein Kontakt zu den UDW Alligators und wie intensiv verfolgst du die 2. Bundesliga?
Mit Mark stehe ich regelmäßig in Kontakt, ebenso mit Hannes. Darüber hinaus habe ich noch viel Austausch mit ehemaligen Spielern und Wegbegleitern wie Stefan Grassegger, Simon Marek, Moritz Daubner und Elias Wlasak durch unsere gemeinsamen Fortnite-Sessions. Die Bundesliga verfolge ich so gut es geht, auch wenn sich Spiele leider oft mit meinen eigenen überschneiden.
Wie beurteilst du die aktuelle Saison der UDW Alligators?
Mark leistet wirklich hervorragende Arbeit und hat ein sehr starkes Team geformt, das mir persönlich auch großen Spaß machen würde zu coachen. Wir tauschen uns regelmäßig über taktische Inhalte aus, wobei ich überzeugt bin, dass Mark das auch problemlos alleine meistern würde. Besonders freut es mich, dass Niki Suppan als weiterer Wagramer neben Simi Teil des Teams ist – ich konnte im Sommer mit einigen Nachwuchsspielern arbeiten, unter anderem auch mit ihm.
Werden wir dich irgendwann wieder in Deutsch-Wagram als Spieler oder Coach sehen?
Als Spieler höchstens noch, wenn ich gemeinsam mit Freunden in der Landesliga oder Herren 2 aktiv sein kann. Ansonsten plane ich eher, die Schuhe in absehbarer Zeit an den Nagel zu hängen. Als Coach kann ich das aktuell nicht beantworten – ich lasse es auf mich zukommen. Ehrlich gesagt genieße ich das Leben als Profitrainer momentan sehr.
Welche Ziele hast du für deine Zukunft?
Mein oberstes Ziel ist es, glücklich durchs Leben zu gehen und jede Herausforderung mit Selbstbewusstsein anzunehmen. Ich war immer offen dafür, Situationen so zu akzeptieren, wie sie kommen, Chancen zu ergreifen und das beste daraus zu machen. Es gibt durchaus auch einen konkreteren Plan und einen Traum– die behalte ich aber lieber für mich, sie sollen ja einmal Realität werden.
Welche letzten Worte möchtest du der #udwfamily mitgeben?
Ich bin Deutsch-Wagram unglaublich dankbar für die Unterstützung und dafür, dass ich meine Visionen dort verwirklichen konnte. Hätte ich bei einem anderen Verein Basketball spielen begonnen, wäre ich wahrscheinlich nicht dort, wo ich heute bin. In Deutsch-Wagram habe ich einen sehr menschlichen Zugang zum Coachen gelernt, den ich nun auch in Bayreuth lebe. Die UDW Alligators werden immer einen Platz in meinem Herzen haben. Ich drücke allen Teams – von den Minis bis zur Bundesliga – fest die Daumen und freue mich schon darauf, bei Gelegenheit wieder in der Halle vorbeizuschauen.